Was ist ein Waldkindergarten?

Ein Waldkindergarten ist ein staatlich anerkannter Kindergarten, der nicht in einem Gebäude untergebracht ist. Im Heidelberger Waldkindergarten werden bis zu 80 Kinder in vier Gruppen betreut und erfahren in spielerischer Weise die Natur.

Durch vielseitige Bewegung erwerben die Kinder körperliche Geschicklichkeit und Gesundheit und erlernen einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Die Kinder verbringen die Kindergartenzeit während des gesamten Jahres im Wald und damit wirklich im Freien. Für extreme Witterungsverhältnisse stehen die beheizbaren Bauwägen bereit.

In Baden Württemberg gibt es zur Zeit ca. 85 Einrichtungen dieser Art - im gesamten Bundesgebiet sind es schon ca. 350 Wald- und Naturkindergärten.

Das Besondere am Waldkindergarten

Kinder brauchen viel Platz für ihre körperliche und geistige Entwicklung. Im Wald finden sich hierfür ideale Voraussetzungen. Die Waldkinder können ihren Bewegungsdrang ausleben. Im Wald erleben und lernen die Kinder, was es heißt, einen Hang hoch und hinunter zu laufen, über Stock und Stein zu gehen, auf Bäume zu klettern, Pflanzen und Tiere im Jahreslauf zu erleben – und das bei nahezu jedem Wetter !

Der Wald bietet viele Anreize, Fragen zu stellen und verstärkt den natürlichen Wissensdurst der Kinder. Das Prinzip des situations- und lebensbezogenen Lernens kann hier ganz natürlich stattfinden. Die Natur gibt z.B. allein durch den Wechsel der Jahreszeiten viele Themen vor.

Die Vorschulkinder (ab 5 Jahre aufwärts) lernen beispielsweise spielerisch in Projekten ihre Umwelt zu erforschen. Die Kinder werden durch die zahlreichen Erfahrungsmöglichkeiten auf natürliche und ganzheitliche Weise geschult. So lernen sie für sich selbst, Andere und die Natur Verantwortung zu übernehmen, den eigenen Körper einzuschätzen, sich mit Selbstvertrauen und Respekt ins Leben zu stellen.

Dies sind die Grundlagen die sich jedes Kind selbst angeeignet hat und auf die es zurückgreifen kann, wenn es dann "mit dem Ernst des Lebens" losgeht!

Das Erleben der Natur - Die Sinneserfahrungen

Der Aufenthalt in der Natur bietet den Kindern die Möglichkeit, auf natürliche Art und Weise zahlreiche Sinneserfahrungen zu machen. Diese sind für die Gesamtentwicklung des Kindes von großer Bedeutung. Es werden nicht nur einzelne Sinne angesprochen, sondern oftmals mehrere gleichzeitig. So kann beispielsweise eine Stimulierung aller Sinne durch ein einzelnes Ereignis, wie z.B. Regen, stattfinden: es wird der Geschmack, der Geruch, das Aussehen, das Geräusch und das Anfühlen der Regentropfen wahrgenommen.

Im alltäglichen Spielen in der Natur erleben und erlernen die Kinder, auch Nuancen von Sinneseindrücken wahrzunehmen und zu unterscheiden. Die Naturelemente in allen ihren Erscheinungsformen und Facetten (z.B. Luft als Wind, Kälte, Wärme, Kraft) werden von den Kindern im Wechsel der Jahreszeiten erlebt. So bemerken sie beispielsweise im Laufe des Herbstes beim Sammeln der Baumfrüchte schon fast zwangsläufig die Spitzigkeit einer Esskastanie im Vergleich mit einer Rosskastanie. Oder aber im Winter die unterschiedlichen Kältegrade von Schnee, Eis oder der Luft. Ein Balanceakt über einen am Boden liegenden Baumstamm ist im feuchten Frühling ein ganz anderer als im trockenen Sommer!

Das Leben in und mit der Natur

Aktivität und Bewegung sind Urbedürfnisse des Menschen. Bei vielen Kindern im Kindergartenalter ist heute zu beobachten, dass sie durch mangelnde Bewegung in vielen Situationen Unsicherheiten zeigen, die sich u.a. durch ein höheres Unfallrisiko bemerkbar machen können.

Kinder drücken ihre Gefühle mit ihrem ganzen Körper aus und umgekehrt regen sich mit der körperlichen Betätigung ihre Gefühle. So ist Bewegung eine wichtige Brücke zwischen der Außenwelt des Kindes und seiner inneren Befindlichkeit. Kinder haben einen nahezu unerschöpflichen Bewegungsdrang, der in Räumen immer seine Grenzen findet. Der ideale Bewegungsraum ist die freie Natur.

In der Natur können sie Weite erleben. Sie können ihre Lebendigkeit austoben, sich selbst in ihrem Körper spüren, rennen, springen und wohltuend erschöpft ausruhen. Gleichzeitig bietet die Natur den Kindern die Möglichkeit, sich eigene Spielräume zu schaffen, die ihnen Schutz und Geborgenheit geben können, z.B. indem sie Asthütten oder Laubnester bauen. So können sie zur Ruhe kommen. Zwischen der Motorik und geistiger und intellektueller Entwicklung besteht ein enger Zusammenhang. Im Wald wird die Motorik ständig gefördert:

So im grobmotorischen Bereich beim Klettern, Balancieren, Laufen in oftmals unebenem Gelände oder beim Herunterrutschen eines Hügels - Im feinmotorischen Bereich in zahlreichen natürlichen "Übungsfeldern", wie beispielsweise dem vorsichtigen Fangen und Halten eines Frosches oder beim Sammeln von Waldfrüchten.

Selbst in den so genannten "Misserfolgen" liegt ein Erfahrungswert : wenn ein Kind z.B. auf nassem Laub oder Matsch ausrutscht oder über eine aus dem Boden ragende Baumwurzel stolpert und hinfällt. Der vorwiegend weiche Waldboden ist allemal ein besseres Gelände um fallen zu lernen als harter Asphalt! Täglich ergeben sich viele Möglichkeiten, die eigenen Grenzen kennen zu lernen, Geschicklichkeit und dadurch Selbstsicherheit und Selbstvertrauen zu erwerben.

Soziales Lernen

Durch das Fehlen von räumlichen Grenzen steht die Gruppe als Halt immer im Mittelpunkt. Die Kinder erfahren spielerisch, dass sie Absprachen treffen und zusammenhalten müssen und haben somit die Möglichkeit, soziale Kompetenz zu entwickeln. Schon beim gemeinsamen Weg zum Bauwagen lernen die Kinder, aufeinander Rücksicht zu nehmen, indem sie an bestimmten Haltepunkten aufeinander warten müssen. Morgenkreis, Frühstück und Abschlusskreis finden mit allen Kindern gemeinsam statt.

Im alltäglichen Umgang miteinander lernen die Kinder, ihre Meinung zu äußern und zu vertreten, einander zuzuhören und Andere aussprechen zu lassen.

Dadurch dass nur sehr wenig vorgefertigtes Spielzeug vorhanden ist, steht das gemeinsame Spielen im Mittelpunkt. Die Kinder entdecken gemeinsame Lösungsstrategien, wenn es bspw. darum geht, gemeinsam einen steilen Hang hochzuklettern oder eine schwere Baumwurzel zu einem bestimmten Platz zu transportieren, um daraus ein Zwergenhaus zu bauen. Die Erfahrung zeigt, dass im Waldkindergarten Kinder aller Altersstufen unabhängig vom Geschlecht miteinander spielen.

Die Mystik des Waldes - Phantasievolles Spielen in der Natur

Neugier, Spannung und Abenteuer ergeben sich im Wald von selbst. Die Natur bietet in optimaler Weise zahlreiche Spielmöglichkeiten, die die Kreativität und die Eigenaktivität der Kinder anregen. Das Erleben der Naturerscheinungen des Waldes, das Spiel mit Naturmaterial und auch die Stille wecken täglich aufs Neue die Neugierde und fördern die Phantasie der Kinder.

So ist die Freispielzeit im Waldkindergarten geprägt durch verschiedenste Spielmöglichkeiten: z.B. verwandeln sich die Kinder bei Rollenspielen in Tiere oder Räuber, Ritter oder Indianer. Beim Spielen mit den Elementen entstehen Wildschweinfallen, Zwergenwohnungen, Staudämme oder Tipis.

Da werden Hänge zu Rutschbahnen, Baumstämme zu Piratenschiffen und Äste zu Schwertern oder Ferngläsern. Die Kinder nehmen im Laufe der Jahreszeiten verschiedene Stimmungen und Geräusche im Wald wahr: das Rauschen des Baches, das Glitzern des Raureifes, das Wechselspiel von Licht und Schatten. Dadurch werden die Kinder aufmerksam und offen für die Wunder der Natur.

Lernen im Waldkindergarten

Unser Pädagogischer Ansatz ist der des lebensbezogenen Lernens. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, am Biotop Teichbewohner zu beobachten oder die artenreiche Pflanzenwelt des Waldes zu erkunden. Die verschiedenen Projekte werden mit den Kindern immer wieder auch reflektiert und Bilder dazu gemalt. So entsteht während des Jahres für jedes Kind eine persönliche Sammlung von Dingen, die am Ende des Kindergartenjahres an das Erlebte erinnern.

An den Vorschulprojekten, die während des gesamten Jahres stattfinden, können sich Kinder ab ihrem 5. Geburtstag beteiligen. Die Projekte sollen den Wissensdrang der Kinder und ihre Freude am Lernen stärken und gezielt (fein)motorische, kreative, kognitive und sprachliche Fähigkeiten im Hinblick auf die Schule fördern. Unter dem Aspekt der Jahreszeiten werden den Kindern beispielsweise zu den Themen „Heimische Pflanzen“, „Heimische Tiere“, „Naturerscheinungen“ und „Stadtteil / Berufe“ vielfältige Angebote gemacht. Zum Beispiel können die kleinen Forscher die Entwicklung vom Froschlaich zum Frosch über einen längeren Zeitraum beobachten, zeichnen und evtl. fotografieren. Es werden einfache chemische und physikalische Experimente durchgeführt.

Es finden viele gemeinsame Ausflüge mit der ganzen Gruppe statt, z.B. Besuche bei der Feuerwehr, Polizei, bei einer Gärtnerei, einer Bäckerei, Ausflüge zum Zoo oder in den Botanischen Garten.

Im Vorlesekreis, Sprachenkreis ebenso wie im Musikkreis werden die Kinder in Hinblick auf ihre Sprach- und musische Entwicklung besonders gefördert.

Bei Wind und Wetter - Gesundheit, Unfälle, Risiken

Durch den Aufenthalt im Freien bei fast jeder Witterung wird das Immunsystem gestärkt. Die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten wird verringert und die Kinder werden in der Regel seltener krank Darüber hinaus sind die Kinder im Wald weniger stark Krankheitserregern ausgesetzt als in geschlossenen Räumen. Bei Unwetterwarnungen, Schneebruchgefahr oder Temperaturen unter -10 Grad werden alternative Angebote beschlossen oder die Notunterkunft aufgesucht.

Um die Übertragung vom Fuchsbandwurm zu verhindern, werden vor dem Essen die Hände gründlich mit Lavaerde gewaschen. Um die Gefahr der Ansteckung mit Borreliose oder FSME (Frühsommer Meningo Enzephalitis), die durch Zecken übertragen werden können, so klein wie möglich zu halten, sollten die Kinder auch im Sommer lange Hosen, Strümpfe, festes Schuhwerk und auch langärmlige Pullover oder T-Shirts tragen, ebenso eine Kopfbedeckung.

Verletzungen sind, wie in jedem anderen Kindergarten auch, nicht auszuschließen. Für etwaige Notfälle führen die ErzieherInnen stets ein Handy und eine Erste-Hilfe-Ausrüstung mit sich. Weiterhin sind die Rettungsdienste der Stadt Heidelberg über den Aufenthalt der Kinder im Wald informiert, so dass für schnelle Hilfe gesorgt ist.

Versicherung und Aufsichtspflicht

Versicherung
Der Verein hat eine Vereinshaftpflichtversicherung abgeschlossen. Ferner besteht die gesetzliche Unfallversicherung für die Zeitdauer des Aufenthaltes im Kindergarten sowie für Wegeunfälle. Für den Verlust oder die Beschädigung der Garderobe und anderer persönlicher Gegenstände der Kinder wird keine Haftung übernommen. Für die Schäden, die ein Kind einem Dritten zufügt, haften unter Umständen die Eltern.

Aufsichtspflicht: Die Aufsichtspflicht des Trägers der Einrichtung beginnt mit der Übernahme der Kinder durch die ErzieherInnen und endet mit der Übergabe der Kinder durch eine/n ErzieherIn an die Eltern. Auf dem Weg zum Kindergarten sowie auf dem Heimweg obliegt die Aufsichtspflicht allein dem Erziehungsberechtigten.

Elternarbeit

  • Die Eltern wählen einen Elternbeirat als Ansprechpartner für Eltern und ErzieherInnen für Wünsche, Anregungen und gegebenenfalls als Vermittler in Konfliktsituationen.
  • Es gibt einen Pädagogischen Beirat, der bei Bedarf (z.B. Konfliktsituationen, Aktualisierung und Änderung der Waldkindergartenkonzeption, usw.) vom Vorstand einberufen werden kann. Kraft Amtes gehören ihm in jedem Fall die Kindergartenleitung und die von den Eltern gewählte Elternvertreter an. Weitere geeignete Personen können vom Vorstand dazu bestimmt werden.
  • Elternabende finden in der Regel etwa 1 - 2 mal im Jahr statt.
  • Bei Bedarf kann jederzeit ein Gesprächstermin sowohl von Seite der Eltern als auch der ErzieherInnen aus, vereinbart werden.
  • Hospitationen sind nach vorheriger Absprache möglich.
  • Alle wichtigen Termine oder Aktionen, Veranstaltungen, etc. werden über die „Waldpost“ bekannt gegeben.

Mithilfe der Eltern

  • Bauwagenreinigung/ Technischer Dienst (z.B. Aufladen von Batterien, etc.)
  • Toilettenreinigung/ Wasserkanister befüllen
  • Handtücher etc. waschen
  • evtl. Vertretung bei Ausfällen der Erzieher/innen
  • Mithilfe bei Festen, Projekten etc.